kultur_kritik

Regrets of the dying

Dienstag 15. Mai 2012 von Martin

“Regrets of the dyinig” …

… von Bronnie Ware der ist eines der interessantesten zeitgeschichtlichen Dokumente. Hier aus der Zusammenfassung durch die Autorin:

For many years I worked in palliative care. My patients were those who had gone home to die. Some incredibly special times were shared. I was with them for the last three to twelve weeks of their lives. People grow a lot when they are faced with their own mortality. I learnt never to underestimate someone’s capacity for growth. Some changes were phenomenal. Each experienced a variety of emotions, as expected, denial, fear, anger, remorse, more denial and eventually acceptance. Every single patient found their peace before they departed though, every one of them. When questioned about any regrets they had or anything they would do differently, common themes surfaced again and again. Here are the most common five:

1. I wish I’d had the courage to live a life true to myself, not the life others expected of me. This was the most common regret of all. When people realise that their life is almost over and look back clearly on it, it is easy to see how many dreams have gone unfulfilled. Most people had not honoured even a half of their dreams and had to die knowing that it was due to choices they had made, or not made. It is very important to try and honour at least some of your dreams along the way. From the moment that you lose your health, it is too late. Health brings a freedom very few realise, until they no longer have it.

2. I wish I didn’t work so hard. This came from every male patient that I nursed. They missed their children’s youth and their partner’s companionship. Women also spoke of this regret. But as most were from an older generation, many of the female patients had not been breadwinners. All of the men I nursed deeply regretted spending so much of their lives on the treadmill of a work existence. By simplifying your lifestyle and making conscious choices along the way, it is possible to not need the income that you think you do. And by creating more space in your life, you become happier and more open to new opportunities, ones more suited to your new lifestyle.” (http://www.inspirationandchai.com/Regrets-of-the-Dying.html)

Die Alternative der Autorin ist höchst zweifelhaft; denn es ist für viele eben nicht möglich, individuell eine andere Option zu wählen, als in der Normarbeitsmodell zu stecken. Der Freiraum, das Leben sinnvoll zu nützen kann nur kollektiv für gleichen Lohn bei weniger Arbeit erkämpft werden. Erst im Sozialismus kann die Arbeitszeit relevant gesenkt werden – bis dahin ist jede Tätigkeit, die in diese Richtung führt, sinnerfüllt.

Das wertvolle an Bronnie Wares Buch sind die Berichte, die eindrucksvoll dokumentieren, wie hohl die Geschichte ist, dass unser Arbeitsleben so super sei.

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Geistiges Privateigentum? (2)

Donnerstag 10. Mai 2012 von Martin

Es kostest fast physische Überwindung „geistiges Eigentum“ zu tippen, so gegensätzlich sind Geist und Eigentum an sich. Die aktuelle Debatte in Deutschland der professionellen Künstler gegen die Piraten und umgekehrt ist vielschichtig und hat zudem einen handfesten politischen Kontext: die Etablierung von ACTA. Abgesehen davon gehen die Wogen im Blätterwald hoch her. Schauen wir uns das einmal an:

Das „Herumgetrampel“ darauf, „dass wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben“, bedeute, „dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt: Euer Kram ist nichts wert, wir wollen das umsonst haben und scheißen drauf, was du willst1, so ein Künstler.

Altpräsident und Redenschreiber Roman Herzog hielt einen Eigentumsbegriff, der die „Leistungen des menschlichen Gehirns ausklammert“, für „erbärmlich2, so ein Politiker.

Dürrer: Das Recht der ausübenden Künstler werden wir nur schwer ausbauen können, aber zumindest bewahren. Es handelt sich um geistiges Eigentum. Aus, Schluss, basta!

Becker: Was bedeuten geistiges Eigentum, Urheberrechte oder Kopiermöglichkeiten in einem gesamtpolitischen Zusammenhang? Diese Debatte wird seit 20 Jahren international geführt. Der Zugang zu Kunst, Kultur und Bildung sollte durch das Internet leichter sein, das war das Versprechen, die Euphorie und Utopie der 90er-Jahre. Daraus wurde nichts, im Gegenteil, wenige große Player teilen sich den Kuchen und fordern Regeln zu ihren Gunsten. Manche Menschen glauben, dass Kunst und Kultur Waren sind, die man abpackt und ihren Preis durch künstliche Knappheit hinaufjagt. Aber in einer wirklich demokratischen Gesellschaft muss Kultur das Rohmittel für alle – und daher für alle frei zugänglich sein.3 so in einer kontroversen Diskussion.

Um diese beiden Punkte dreht sich auch einiges in der gegenwärtig heftig geführten Debatte um das Urheberrecht im Internet. So formierte sich zu Beginn des Jahres in Österreich die von zahlreichen Kunstschaffenden unterstützte Initiative “Kunst hat Recht”. Es sei zu leicht geworden, sich Kunst gratis aus dem Internet herunterzuladen, so die Initiatoren (u. a. Gerhard Ruiss, Karl-Markus Gauß, Mercedes Echerer, Harald Sicheritz, Willi Resetarits, Joesi Prokopetz). Und: Die zunehmende Gratiskultur im Internet führe dazu, dass wenige Kulturschaffende von ihrer Arbeit leben können. So verdienen österreichische Kulturschaffende gemäß einer Studie des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur durchschnittlich 4500 Euro pro Jahr. Mehr als die Hälfte muss mit weniger als 1000 Euro pro Monat auskommen.“4

Und so weiter und so fort, auf den recht verfassungsgläubigen Protestbrief der Krimi-Drehbuchautoren Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!5 antwortete der Chaos Computer Club (CCC): „Liebe Tatort-Drehbuchschreiber, mit Freude nehmen wir – ganz kess als Vertreter der von Euch angeprangerten “Netzgemeinde” – Euer Interesse [1] an unseren Gedanken zu einer Versachlichung der Diskussion über Urheber- und Urheberverwertungsrechte im digitalen Zeitalter wahr. Bevor wir aber unnötig gleich zu Beginn Schubladen öffnen: Auch wir sind Urheber, sogar Berufsurheber, um genau zu sein. Wir sind Programmierer, Hacker, Gestalter, Musiker, Autoren von Büchern und Artikeln, bringen gar eigene Zeitungen, Blogs und Podcasts heraus. Wir sprechen also nicht nur mit Urhebern, wir sind selber welche. Es wird daher keinen “historischen Kompromiß” geben, denn es stehen sich nicht zwei Seiten gegenüber, jedenfalls nicht Urheber und Rezipienten, sondern allenfalls prädigitale Ignoranten mit Rechteverwertungsfetisch auf der einen Seite und Ihr und wir auf der anderen, die wir deren Verträge aufgezwungen bekommen. Das Tragische (im griechischen Sinne) ist doch, daß wir beide Opfer des Verwertungssystems sind. Ihr schuftet Euch seit Jahren für die Verwertungsindustrie ab und habt so viele Eurer Rechte weggegeben, daß weder Ihr noch Eure Nachfahren von der verlängerten Urheberrechtsschutzfrist etwas haben. Das ist bloß ein Verhandlungsmittel, mit dem Ihr zu reduzieren hofft, wie doll Euch die Verwertungsindustrie abzockt. Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal. Bei uns ist das ganz ähnlich. Viel Software wird inzwischen gar nicht mehr für Profit geschrieben, sondern frei ins Netz gestellt oder als Selbstvermarkter-Shareware, weil den Autoren klar ist, daß sie nie einen müden Cent sehen werden für ihr Werk. Für Software gibt es keine Verwertungsgesellschaften, mangels historischen Präzedenzfalls. Wenn Ihr Euch mal umschaut, werdet Ihr sehen, daß auch kein einziger von uns Software-Autoren eine GEMA für Software fordert. Wir nehmen Euch nichts weg, das wir für uns fordern. Wir haben uns nur von der Idee verabschiedet, daß dieses Modell in zehn Jahren noch existieren wird. Software im kommerziellen Bereich entsteht im Allgemeinen als Werkvertrag oder unter Anstellung, und sämtliche Verwertungsrechte gehen an die Auftraggeber. Kommt Euch das bekannt vor? Nur daß bei uns niemand unsere Rechte zu vertreten versucht. Und wißt Ihr, welcher kreative Bereich stärker wächst und mehr Umsatz macht, Eurer oder unserer? Überraschung: Es stellt sich heraus, daß man auch ohne Verwertungsindustrie überleben kann. Anstatt Euch an den Konsumenten gütlich zu tun, solltet Ihr Eure Anstrengungen darauf konzentrieren, für Eure Werke direkt vom Auftraggeber ordentlich entlohnt zu werden. Was Ihr braucht ist eine den Namen verdienende, starke Gewerkschaft, kein Monster aus Verwertungsgesellschaften, die dann Youtube langjährig verklagen, weil sie kostenlos Werbung für Euch machen und Euch damit zukünftige Aufträge verschaffen. (…) Das von Euch als gottgegeben hingestellte sogenannte “geistige Eigentum” ist bei näherem Hinsehen eine Chimäre jüngeren Datums, gerne als unsachlicher Kampfbegriff angeführt, um gewisse grundsätzliche Diskussionen zu vermeiden. (…) Aber gerade diese Verwertungsgesellschaft, die Eure Tatort-Drehbücher entlohnt, ist das beste Beispiel, wie sich ein verselbständigter Wasserkopf mehr und mehr der eigentlich Euch zustehenden Anteile am ausgestrahlten Werk einverleibt. Hand hoch, wieviele von Euch sind festangestellt? Wieviele wurden in den letzten Jahren durch Vertragsveränderungen bei den Landesmedienanstalten auch noch der Zweitverwertungsrechte im Netz beraubt? Na, und wie fühlt sich der Blick in Eure Buy-Out-Verträge an, wenn Ihr ehrlich seid?6

Da ist was dran. Umgangssprachlich wird unter geistigen Eigentum die personelle Quelle eines Werkes verstanden. Aber sicher: Ist dieses einmal auf der Welt, ist es auch für die Welt. Weshalb es einsperren, zurückhalten und limitieren.

Aber nicht umgangssprachlich bewegen wir uns in einem Konflikt der Warengesellschaft. Natürlich – sobald das Werk Warenform annimmt, gibt es auch einen Eigentümer. Einen Privateigentümer. In Produktionsverhältnissen ohne kapitalistischen Privateigentum wäre dies natürlich anders. Die Debatte müsste daher eigentlich heißen: Das Privateigentum an Kopfarbeitsprodukten. Erst die Aufhebung des Privateigentums zerreißt den Konflikt zwischen Kulturproduzenten und Konsumenten.

Die vom Computerclub angesprochene Lösung einer starken Gewerkschaft der Kulturschaffenden und Kreativen ist sicher eine nützliche Idee. Alleine, den Konflikt lösen kann sie nicht. Denn die korrekte Analogie ist nicht: Arbeiter gegenüber dem Besitzer von Produktionsmitteln. Die korrekte Analogie ist: Bauer, der seine mit eigenen Mitteln erzeugten Produkte einem Großabnehmer verkaufen muss, um davon überleben zu können. Die Bauern werden von den Agrargenossenschaften und Händlern ausgebeutet, sie können die Preise nicht bestimmen, sondern die Agrarabnehmer. Natürlich glaubt auch der Bauer, wenn das Brot für die Konsumenten teurer wäre, sehe auch er mehr Cent für sein Mehl …

Indes, dies scheitert an den realen Gegebenheiten.

1Die Presse, 23.4.2012

2Die Presse, 23.4.2012

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kultur magazin Nr. 4 out now!

Sonntag 6. Mai 2012 von Martin

kultur magazin nr. 4 (pdf)

44 Seiten zu Brevik und dem Antiislamismus in Europa

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Geistige Privateigentum? (1)

Mittwoch 25. April 2012 von Martin

ACTA

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Qualitäts-Check durch SeitTest

Samstag 7. April 2012 von Martin

Der Blog http://kulturkritik.blogworld bekam folgendes Zertifikat:

SeitTest-Zertifikat

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“Was gesagt werden muss”

Donnerstag 5. April 2012 von Martin

Was noch gesagt werden muss: Pro Krieg und pro Kriegshetze gibt es im deutschsprachigen Literaturbetrieb durchschnittlichen einen, der zu Recht dagegen anschreibt. Nun hatte aber Günther Grass 2012 gegenüber Peter Handke 1999 den Vorzug, sich gleichzeitig nicht mit dem Regime der Gegenseite zu solidarisieren, was Handke gegenüber Serbiens Milosevic immerhin auch tat und den Wert seiner richtigen Stellungnahme gegen das NATO-Bombardement schmälerte.

Das Interview von Günther Grass mit dem NDR

Den Sturm an unsinnigen Argumente,denen sich Günther Grass nun gegenübersieht, an erster Stelle, dass konkrete Kritik an der Politik der israelischen Staatsführung mit Antisemitismus gleichzusetzen sei, muss er als geistig wacher Zeitgenosse ja vorhergesehen haben. Umso mehr Charakter  bewies dieser, sich den Iniurien auszusetzen.  Dass die Führung eines Staates militärisch machen kann, was sie will, weil jede Kritik an dieser schnurstracks als Antisemitismus bezeichnet werden kann … bedeutet, dass jede Regierung der restlichen 193 Staaten der Erde kritisiert werden kann, nur ein Staat nicht.

Das kann nicht o.k. sein.

Der Sturm der Entrüstung der Politikerkaste und des medialen Mainstreams zeigt aber auch, wie sehr wir im Westen bereits auf einen Krieg gegen den Iran eingestimmt sind.

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“Панк-молебен “Богородица, Путина прогони” Pussy Riot в Храме” (2)

Dienstag 3. April 2012 von Martin

Unser Beitrag  http://kulturkritik.blogworld.at über die politischen AktionistInnen “Pussy Riots” in Russland wurde weltweit mit zahlreichen Trackback versehen.In dem Video hatte die Gruppe in der berühmtesten Kirche Moskaus für ein Ende der Herrschaft Waldimir Putins “gebetet”. Die Aktion sollte auf die reaktionäre politische Rolle der russisch-orthodoxen Kirche aufmerksam machen.

In der Zwischenzeit wurden die AktivistInnen übrigens inhaftiert und eine Anklage wegen Rowdytums wird vorbereitet. Somit drohen bis zu  7 Jahre Haft. “Mehr als 2000 Gläubige forderten in einem offenen Brief Kirchenoberhaupt Kirill auf, die “Hetzjagd” auf die Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot zu beenden. Sie verurteilten die Performance zwar, hieß es in dem Schreiben. “Aber noch für viel unzulässiger erachten wir die Reaktion auf die Aktion – Strafverfahren, Freiheitsentzug und die scharfen Angriffe von Mitgliedern der Kirchenführung auf die Teilnehmer des ‘Punk-Gebets‘. (…) Einflussreiche Kirchenvertreter sprechen im Zusammenhang mit der Performance sogar von “Extremismus” – dann wäre sogar eine noch härtere Strafe möglich. Der Text des “Punk-Gebets” habe Hass gegen die Kirche geschürt, meint Synodenmitglied Wsewolod Tschaplin.” (Die Presse, 2.4.2012) Das Verfahren wirft ein grelles Licht auf das eklatante Defizit demokratischer Rechte in der Russischen Föderation.

Wie “Pussy Riots” jetzt unterstützen: http://freepussyriot.org/

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Neue Rezensionen

Dienstag 27. März 2012 von Martin

Neue Rezensionen auf: http://kulturkritik.blogworld.at/likuwi-2/

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Reportage aus dem Gaza

Montag 12. März 2012 von Martin

http://www.demotix.com/news/1100659/funeral-12-year-old-ayoub-assalya-killed-israeli-airstrike-gaza

Der Fotoreporter Sameh Rahmi zu den jüngsten Bombardement in Gaza:

http://www.demotix.com/news/1100191/aftermath-israeli-air-strike-gaza-strip

http://www.demotix.com/news/1098737/israeli-airstrike-gaza-city

http://www.demotix.com/news/1098696/funeral-seven-palestinian-militants-gaza

http://www.demotix.com/news/1098134/israeli-airstrike-raises-palestinian-death-toll-ten-gaza-city

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gaza body count

Montag 12. März 2012 von Martin

“Gaza: Bombenhagel auf Israel” …

… titelt die Tageszeitung die Presse am 12.3.2012 auf Seite 28. Aus dem Artikel selbst erfahren wir, dass der Bomben von Israelischen Militärflugzeugen aus auf den Gazastreifen abgeworfen wurden. Und nicht auf Israel. Also genau umgekehrt. Auf Israel wurden hingegen aus dem Gazastreifen Raketen abgefeuert. Diese Raketen russicher Bauart sind ca. 2 m lang, ungelenkt und unpräzise. Sehr im Gegensatz zu der israelischen Militärtechnologie.

Ob der Irrtum mit der Schlagzeile einfach ein Versehen war – etwa indem nach dem Googeln die Schlagzeile einer deutschen Zeitung übernommen und (falsch) umgetextet wurde – oder ob bewusst / unbewusst aus politischen Gründen Israel im Palästinakonflikt als Opfer und nicht als Täter gesehen wird, sei dahingestellt.

Jedenfalls starben bei dem Gefecht 18 Palästinenser – auf Seiten Israels gab es keine Todesopfer, sondern Verletzte. Die Frage, die sich stellt, ist nun: ab welcher Ratio von toten Palästinensern würde sich die Schlagzeile umdrehen auf das sachlich korrekte:

“Israel: Bombenhagel auf Gaza”

… ab 30 toten Palästinensern oder aber 180? Wie fiel wiegen der Weltöffentlichkeit getötete Menschen des Gazastreifens gegenüber den verletzten Israelis? Schon bisher wog ein Toter der einen Seite nie gleichviel wie ein Toter der anderen Seite. Es ist pervers, dass man dies explizit nachrechnen muss, aber eben deswegen, weil es implizit tagaus tagein von den offiziellen Medien und Stellungnahmen des Westens so praktiziert wird.

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Arab World: economic indices

Mittwoch 7. März 2012 von Martin

Klick auf das image, um den Chart vergrößert anzusehen.

Während die BIP-Zuwachsraten der arabischen Welt im Schnitt seit 1975 größer waren als die der Welt, stagnierten alle volkswirtschaftliche Wohlstandindikatoren der arabischen Welt während dieselben im Weltdurchschnitt zunahmen.

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30 Thesen zum “arabischen Frühling”

Mittwoch 7. März 2012 von Martin

Download Dreissig_Thesen_zum_arabischen_Frühling.pdf

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Россия

Dienstag 6. März 2012 von Martin

Das Glas halbvoll oder halbleer?

Wenn unmittelbar nach einer von Putin gewonnenen Präsidentschaftswahl 15.000 in Moskau auf die Strasse gehen und sich 18.000 Polizisten gegenübersehen, dann liegt wohl eine Brise arabischer Frühling in der Märzluft. Aber es ist noch eine Brise und kein Sturm. Ein Passant meinte dazu gegenüber der Presse: “Die oben wollen nicht, die unten können nicht“. Diese Beobachtung ist knapp und präzise. Damit die Lage einem arabischen Frühling gleicht, müsste es sich umkehren: Die oben können nicht, die unten wollen nicht!

Nichtsdestotrotz ist bei allen Unterschieden das Defizit an demokratischen Rechten in Russia überall spürbar. An einer Kundgebung teilgenommen, etwa um gegen die Repressalien gegenüber Homosexuellen zu protestieren? Fausthiebe der Rechten und eine Gefängniszelle sind jederzeit drinnen! Ein Blogger der im Netz seine Ideen darstellt? Alexei Navalny wird abgeführt. Eine regierungskritische Journalistin wird erschossen? Klar, gewöhnliche Kriminelle könnten die Täter sein … nur komisch, das keine ernsthaften Ermittlungen aufgenommen werden. Nicht zu vergessen: An den Händen dieses Regimes klebt eine ganze Menge Blut: Putin begann 1999 den Zweiten Tschetschenienkrieg, dazu in Wikipedia: “Auch in diesem Krieg wurden und werden schwere Menschenrechtsverletzungen durch russische Einheiten (Soldaten, Truppen des Innenministeriums, „OMON“-Sondereinheiten) und Rebellen verübt. Seit Beginn des Krieges sind Tausende von Zivilisten, vorwiegend junge tschetschenische Männer, unter dem Vorwurf des Terrorismus verschleppt, gefoltert und ermordet worden. Teilweise bieten russische Soldaten die verstümmelten Leichen den Verwandten zum Kauf an. Vergewaltigungen und Plünderungen, sowie Erpressungen der Zivilbevölkerung durch die Sicherheitskräfte an den zahlreichen Kontrollpunkten halten an1

Bemerkenswert ist die Reaktion der Tageszeitung “Die Presse” zu den aktuellen Protesten gegen die Wahlfälschungen in der Russischen Föderation: “War Wladimir Putins Sieg „sauber“, wie er es selbst formulierte, oder eine Manipulation, wie es die OSZE insinuiert? Die Wahlbeobachter wollen dem „lupenreinen Demokraten“ (© Gerhard Schröder) nicht recht glauben: In jedem dritten Wahllokal sei geschummelt worden, so ihr Vorwurf. „Na und?“, werden an dieser Stelle jene einwenden, die das Glas lieber halb voll als halb leer sehen. Im Umkehrschluss würde das nichts anderes bedeuten, als dass in zwei von drei Lokalen alles rechtens war. Und ein Votum von 63,6 Prozent in 66,6 Prozent der Wahlbezirke macht, auf ganz Russland hochgerechnet, eine Zustimmungsrate von fast 43 Prozent aus. Die Russen müssten Putin also dankbar sein: Er hat seinen Untertanen die Mühsal einer zweiten sonntäglichen Wahlrunde erspart, die er ohnehin gewonnen hätte.2 Am Ende ist man sich ein wenig unsicher, ob sich Michael Laczynski über die gar nicht so geringe pragmatische Pro-Putin-Haltung im Westen lustig macht oder ob er dies ernst meint.

FPÖ und BZÖ gratulierten jedenfalls ernsthaft dem russischen Präsidenten für den Wahlsieg und dem russischen Volk für die gute Wahl. Ein Teil der europäischen Linken ist gleichzeitig ziemlich still: Ist die Menschenrechtsagenda nicht immer ein konstruierter Vorwand für die westlichen Regierungen, ihre Opponenten vom Thron zu stoßen? Ist nicht so etwas ähnliches unlängst in Libyen passiert? Ist da Putin nicht doch ein Garant, dass etwa eine schärfere Resolution gegen Baschar al-Assads Panzereinsätze die UN passiert? So sitzen viele, quer von rechtsextrem bis bequem-links im Boot mit dem Schlächter.

Der Kampf für demokratische Rechte und gegen die staatliche Repression muss von unten kommen, hier auf den Westen zu warten, ist sinnlos. Die erste Brise ist auf alle Fälle bereits in Russia vorhanden.

onntag-extra

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general strike in syria

Freitag 2. März 2012 von Martin

Die demokratische Revolution in Syrien organisierte heute einen Generalstreik. Bereits letztes Jahr wurde am 18.5. und am  11.12. Generalstreiks ausgerufen, letzterer wurde im Nordwesten, im Süden und Teilen von Damaskus vor allem aber in Daraa und Homs befolgt. Streiks in Syrien umfassen nicht nur Produktionsbetriebe, auch Kleinhändler und Ladenbesitzer spielen dabei eine wichtige Rolle. Der nächste Streik fand am 29. Dezember 2011 statt, daraufhin Ende Februar.

Heute wurde ebenfalls von einem Generalstreik berichtet,  in einer Situation wie in Syrien haben Streiks vermutlich weniger den Charakter, die Produktion zu stoppen, sondern den Widerstand gegen den staatliche Repression zu organisieren.

Foto: Emma Suleiman auf DEMOTIX

Alle Kampfreportagen von Suleiman aus Syrien: http://www.demotix.com/search/context?filters=uid%3A33626

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Transnationaler MigrantenInnenstreik

Freitag 2. März 2012 von Martin

Hier zu der kurzen Reportage der gestrigen Kundgebung am Viktor-Adler-Platz in Wien  auf DEMOTIX, einer internationalen Plattform für Fotojournalismus

Foto: Seelos

Foto: Seelos

http://www.demotix.com/search/context?filters=uid%3A18288

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P183

Dienstag 28. Februar 2012 von Martin

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“Панк-молебен “Богородица, Путина прогони” Pussy Riot в Храме”

Dienstag 28. Februar 2012 von Martin

“möge Putins Herrschaft enden”

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syrian child reacts to death of parents

Montag 27. Februar 2012 von Martin

http://www.demotix.com/photo/1076102/syrian-child-reacts-death-parents-bab-tadmur-homs

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Feldzug der Zivilisation

Donnerstag 23. Februar 2012 von Martin

Die zivilisatorische Leistung der Besetzung Afghanistans

Die zivilisatorische Leistung der westlichen Besatzung Afghanistans bestand zuletzt darin, dass US-Soldaten auf eben getötete Afghanen urinierten, sie verbal verhöhnten und das auch noch filmten. Dass das Video tatsächlich publik wurde, war wohl nicht geplant. Aber es zeigt, dass diese Leute sich völlig im Recht und straffrei fühlen, wenn sie sich wie die Letzten aufführen. Daraus wiederum kann geschlossen werden, wie es bei der Besatzungsmacht so zugeht, wenn niemand zusieht. Das meiste wird ja nicht publik. Auch hier war es nur Zufall oder Versehen, dass das Video ins Netz kam.

Danach war von oberster Seite her Besserung angesagt und die betroffenen Marines sollten irgendwie belangt werden. „Ein Pentagon-Sprecher bezeichnete die Tat als „abscheulich“, bei der Betrachtung der Szene habe es ihm den Magen umgedreht. Die afghanische Regierung drückte ihre Bestürzung aus, die größte Moslem-Organisation in den USA formulierte eine Protestnote ans Weiße Haus. Ein Taliban-Sprecher verurteilte die „unmenschliche, unmoralische und brutale Tat der Invasoren“. Derlei Vorfälle seien allerdings an der Tagesordnung, erklärte er. Vor zwei Jahren haben US-Soldaten sich vor den Leichen von Zivilisten in Pose geworfen, deutsche Afghanistan-Soldaten ließen sich mit Totenschädeln abbilden.1

Heute kann man bilanzieren: Das Vorhaben, den US-Soldaten vor Ort einen Crash-Kurs in Sachen Zivilisation beizubringen, war wohl von durchaus überschaubaren Erfolg gekrönt. „Am Vortag hatten tausende Afghanen den Stützpunkt Baghram attackiert, nachdem bekannt geworden war, dass dort US-Soldaten Ausgaben des Koran verbrannt hatten. Der Oberkommandierende der Nato-geführten ISAF-Truppe, US-General John Allen, hatte sich am Dienstag für den “unangemessenen” Umgang mit islamischem religiösen Material, darunter Koran-Ausgaben, entschuldigt. Genauere Angaben zu den Vorgängen machte er nicht. Allen kündigte eine umfassende Untersuchung an.“2 Natürlich. Auf alle Fälle sind Koranverbrennungen ein hübsches Beispiel gelebter Religionsfreiheit, eine Errungenschaft der bürgerlichen Revolution in Europa und Amerika im 18. und 19. Jahrhundert. Denn es war vor der bürgerlichen Revolution keineswegs abwegig, dass nur die Konfession des Gewaltmonopolisten der gekrönten Häupter respektvoll behandelt wurde.

Es wird wohl nicht so sein, dass die US-Soldaten moralisch verrottet sind, weil sie aus den USA sind. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie moralisch verrottet wurden, indem sie diesen Job machen: Ein Land besetzten und unterdrücken. Sie müssen genauso wie im Irak auch in der Zivilbevölkerung jederzeit potentielle Gegner sehen. Das färbt ab. Genauso die deutschen Einheiten in Afghanistan, die vielleicht im Urlaub in Deutschland ganz gesittete Zeitgenossen sind, mit Freunden ins Kino gehen, gern fein essen oder Beethoven hören. Sie degenerieren moralisch völlig durch den Killerjob, den sie am Hindukusch gegen klingende Münze verrichten. Wenn sie Botschafter westlicher Zivilisation sein sollten, können sie nur verlieren, haben sie schon längst verloren. Wir glauben nicht, dass sie dabei jemals objektiv Botschafter westlicher Zivilisation sein sollten, aber die Kriegspropaganda in der homefront gab zu Beginn dieses langen Krieges solche Parolen aus, wie dass die Alliierten Botschafter westlicher Zivilisation seien. Ein Beispiel von vielen: „Verteidigungsminister Antonio Martino“ gab „am Mittwoch vor dem Parlament in Rom“ die Beteiligung italienischer Soldaten beim Afghanistan-Feldzug bekannt. „Wir wissen aber, daß es ein Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei ist. Es ist ein Kampf, den wir führen müssen, um unser Wertesystem zu verteidigen”, sagte Martino.3

Irgendwann hörte man von der Zivilisation nicht mehr viel.


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Syrien: Zerstörrte Wohnhäuser, zurückgelassene Panzer

Mittwoch 22. Februar 2012 von Martin

Rankostn_

Rankos in Syrien von Nordwesten aus. Google Earth, bearbeitet von M. Seelos, 2012

Und hier die Fotoreportage von Emma Suleiman:

http://www.demotix.com/news/1042685/destroyed-houses-rankous-damascus-neighbourhood

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